Serbien lenkt ein

08.05.2017 11:20

Badische Neueste Nachrichten | Hardt | POLITIK | 08.05.2017  
Donauschwaben:
Serbien lenkt ein

Belgrad (dpa). Jahrzehntelang wurde das Thema totgeschwiegen, jetzt erlaubt Serbien das Gedenken an Hunderttausende vertriebene Deutsche nach dem Zweiten Weltkrieg. Der serbische Regierungschef Aleksandar Vucic weihte in der Gemeinde Jarek nördlich der Stadt Novi Sad eine Gedenkstätte für die misshandelten, vertriebenen und ermordeten „Donauschwaben“ ein. Der Schritt wurde als Geste der Regierung für die Aussöhnung und die Auseinandersetzung mit diesem bisherigen Tabuthema aufgefasst. „Nur durch die Achtung fremder Opfer werden wir das Recht haben, auch Respekt und Recht für unsere Opfer zu verlangen“, begründete Vucic den serbischen Schwenk.
Der ehemalige Freiburger Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, dessen Verwandte dort ermordet wurden und der als Kind nach Deutschland geflohen war, sagte: „Jahrelang haben wir Donauschwaben auf diesen Tag gewartet. Die Wunden über die Leiden und den Tod unserer Landsleute sind auch einundsiebzig Jahre nach Aufhebung des Internierungslagers Jarek nicht verheilt.“ Rund 550 000 Deutsche waren zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert in menschenleere Gebiete des späteren Jugoslawien eingewandert.

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